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4. September 2012

Liebe Frauen,

während das Wetter uns mit schönster Spätsommersonne verwöhnt, müssen sich Feministinnen gegen heftigste Kriminialisierungen und Denunziationen wehren. Die russischen Musikerinnen von Pussy Riot wurden zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und die jüdische US-Philosophin und feministische Theoretikerin Judith Butler sieht sich mit einer unglaublichen Verleumdungskampagne konfrontiert. Angesichts dieser Angriffe auf feministische Theorie und Praxis möchte wir alle Leserinnen nochmals ganz nachdrücklich zur diesjährigen Bundesfrauenkonferenz nach Dortmund einladen, um gemeinsam Strategien und Politiken gegen das frauenpolitische Roll Back zu diskutieren.   

Eure Redaktion

Annegret Gabelin, Claudia Gohde, Antje Kind, Antje Schiwatschev, Vera Vordenbäumen, Katrin Voß, Uta Wegner, Nadia Zitouni

Aktuelles

Katja Kipping hat einen "Elternbonus" im Urlaubsgesetz vorgeschlagen, nach dem alle erwerbstätigen Eltern mit minderjährigen Kindern einen halben Urlaubstag pro Monat zusätzlich erhalten sollen. Während die einen Kritiker den Vorschlag als DDR-like diskreditieren, lehnt der Industrie- und Handelskammertag jegliche gesetzliche Regelung ab und will - wie immer wenn es um Familien- und Pflegearbeit geht - alles individuell regeln. Mehr dazu hier.

Die rot-rote Landesregierung in Potsdam wird gemeinsam mit zehn weiteren Landesregierungen einen Entschließungsantrag gegen das von Familienministerin Schröder geplante Betreuungsgeld in den Bundesrat einbringen. Die Fachministerien der Länder begründen in einer Presseerklärung ihre Kritik, die hier zu lesen ist. Eine umfassende Kritik des Betreuungsgeldes hat Kendra Eckhorst im österreichischen Feminismus-Magazin "an.schläge" veröffentlicht. Mehr

Das Kuratorium des Theodor-W.-Adorno-Preises, den die Stadt Frankfurt am Main alle drei Jahre vergibt, hat die jüdische Philosophin und Geschlechtertheoretikerin Judith Butler für die diesjährige Preisverleihung nominiert. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Kramer, protestierte gegen die Auszeichnung der amerikanischen Philosophin und denunzierte Butler als "Israelhasserin". Judith Butler antwortet auf die Vorwürfe in zwei Interviews, die hier und hier zu lesen sind. Diejenigen, die die Preisverleihung an Butler unterstützen möchten, können hier eine Online-Petition unterzeichnen.      

Aus der Partei

Bundesfrauenkonferenz: Arbeit, Einkommen und Zeit umFAIRteilen!

Am 15./16. September 2012 findet die vierte Bundesfrauenkonferenz der Partei DIE LINKE in Dortmund statt. Tagungsort ist das Jugendgästehaus Dortmund. Diskutiert werden u. a. Feministische Perspektiven zu Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität sowie frauen- und genderpolitische Schwerpunktthemen im Wahlkampf und Ansprache von Wählerinnen. Mit dabei sein werden: Politikerinnen der LINKEN aus Parteivorstand, Landesvorständen, Fraktionen, LAGen, Wissenschaftlerinnen, Projektfrauen, viele spannende Frauen aus allen Teilen des Landes und – hoffentlich – DU! Programm, Informationen und Anmeldung gibt es hier.

DIE LINKE Berlin lädt zur zweiten Landesfrauenkonferenz am Samstag, dem 29. September 2012, in die Alte Feuerwache in Berlin-Kreuzberg ein. Schwerpunkt der Tagung ist die Situation von Frauen auf dem Berliner Arbeitsmarkt. Neben einem Vortrag von Prof. Dr. Hildegard Maria Nickel von der Humboldt-Universität zu Berlin stehen insbesondere die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Chancen für Migrantinnen auf dem regionalen Arbeitsmarkt und die Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor auf der Tagesordnung. Programm und Anmeldung gibt es hier

Am Vorabend der Bundesfrauenkonferenz trifft sich im Jugendgästehaus Dormund der Bundesrat LINKE Frauen zu seinem zweiten Arbeitstreffen in diesem Jahr. Beraten werden soll abschließend die Zusammensetzung und der Tagungsrythmus des Gremiums. Vorgestellt werden außerdem die Ergebnisse einer Befragung der weiblichen Parteimitglieder zu Anspruch und Inhalte einer "Politik von unten". Einladung sowie Unterlagen gibt es hier und hier. Anmeldungen und weitere Infos bei: vera.vordenbaeumen@die-linke.de.

Internationales

Die drei Performancekünstlerinnen von Pussy Riot, Nadeshda Tolokonnikova, Maria Aljonikina und Jekaterina Samutsevich, wurden am 17. August 2012 wegen "Rowdytums aus religiösem Hass“ zu zwei Jahren Haft verurteilt, nachdem sie im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale gegen Putins erneute Wahl zum Präsidenten protestiert hatten. Das Urteil hat bei westlichen Regierungen und Musikern scharfe Kritik hervorgerufen.

Die drei Künstlerinnen werden seit ihrer Verhaftung im März in einer Verwahrungsanstalt im südlichen Moskau festgehalten und dort noch so lange bleiben, bis es eine Entscheidung über die von ihren Anwälten eingereichte Berufung gibt. Sollte dieser nicht stattgegeben werden, werden sie in eine Strafkolonnie für Frauen verlegt, um den Rest ihrer zweijährigen Haftstrafe abzuleisten. Verteidiger Nikolai Polozov rechnet sich allerdings geringe Chancen auf einen Erfolg der Berufung aus.

Am Tag der Urteilsverkündung fand vor der Russischen Botschaft in Berlin eine von mehreren bundesweit organisierten Kundgebungen „Free Pussy Riot!“ statt. Neben Halina Wawzyniak (DIE LINKE), sprachen Renate Künast von den Grünen, der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik, Markus Löning (FDP), der Generalsekretär des European Center for Constiutional and Human Rights, Wolfgang Kaleck, sowie ein Sprecher von Amnesty International und dem CSD-Berlin e.V. Ein kritischer Bericht zu der Kundgebung findet sich auf dem Blog von Mädchenmannschaft.

Auch Raju Sharma, religionspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Bundestag, weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass bei aller berechtigten Kritik am Umgang der russischen Justiz mit dem Fall Pussy Riot nicht vergessen werden darf, dass auch im deutschen Strafgesetzbuch ein Paragraph zur Verurteilung von Gotteslästerung zu finden ist.

Die Kritik an der harschen Verurteilung der Künstlerinnen darf jetzt, um wirksam zu sein, genau so wenig abklingen wie das politische Engagement für freie Meinungsäußerung, dem Pussy Riot so plakativ einen Stempel aufgedrückt haben.

Portrait

Marie Marcks zum 90. Geburtstag

Die Karikaturistin Marie Marcks hat "die Bundesrepublik ab den sechziger Jahren immer wieder schön in die Pfanne gehauen" schrieb der Tagesspiegel in seiner freundliche Hommage zum 90. Geburtstag der Zeichnerin. Und weiter: "Sie war die comicmäßige Kritikerin der Aufrüstung, der Kernkrafteuphorie, des Radikalenerlasses, der Umweltverschmutzung und des Neonazismus." Die feministische Karikaturistin, die sich für keine Partei und für keine Zeitung einspannen ließ, hat eine eigene Website, auf der frau ihre Werke anschauen kann. Das Caricatura-Museum Frankfurt (Main) zeigt noch bis zum 31. Oktober 2012 eine Ausstellung mit ihren Werken.

Tipps und Termine

Unter dem Titel "Weiterbildung für Politik" hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung ihre Fort- und Weiterbildung unter einem Dach zusammengeführt. Damit werden die Ziele verbunden, eine breitere Zielgruppe anzusprechen, neue Angebote zu entwickeln, Synergien zu erschließen sowie das Serviceangebot auszuweiten. Das Programm besteht aus fünf miteinander verschränkten Säulen. Die Seminare und Kurse verstehen sich als Begegnungsorte. Neben der inhaltlichen Dimension geht es in den Veranstaltungen immer auch um Erfahrungslernen, inspirierende Querblicke und politische Annäherungen. M

Buchtipp: "Wir sind die Macht"

"Wir sind die Macht“ ist die Autobiographie der liberianischen Friedensnobelpreisträgerin Leymah R. Gbowee. In offener und bewegender Art erzählt sie von ihrem Leben in dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land, von ihren geplatzten Träumen und dem Weg hin zu einer der bekanntesten afrikanischen Frauen- und Friedensaktivistinnen. Eine ausführliche Buchvorstellung des Verlages gibt es hier, eine Rezension der Wochenzeitung Der Freitag hier

2. September bis 18. November 2012, "Von Mädchen, Frauen und Männern", Ausstellung, Galerie in der Burg, Großbodungen. Mehr

4. bis 16. September 2012, Internationales Literaturfestival, u. a. mit einer Benefizeranstaltung für Pussy Riot, im Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, 10719 Berlin. Mehr 

5. September 2012, 17 Uhr, Mädchen in Sicht - Zukunft im Hafen. Exkusion zur FrauenFreiluftGalerie Hamburg. Mehr

5. September 2012, 21 Uhr, Kumbia Queers, Konzert, Hansa 48, Kiel. Mehr

6. September 2012, UJZ Korn in Hannover: flt*fest Hannover 2012 (Ladyfest). Mehr

8./9. September 2012, Tag des offenen Denkmals: Veranstaltungen zum 100. Jahrestag der Grundsteinlegung des heutigen Karl-Liebknecht-Hauses. Mehr

13. September 2012, 18 Uhr, "Das Vermächtnis der Tänzerin", Video-Vortrag, RLS Sachsen, Leipzig. Mehr

15./16. September 2012, Bundesfrauenkonferenz der Partei DIE LINKE im Jugendgästehaus Dortmund. Mehr

15. September 2012, Slutwalk Berlin. Weitere Infos gibt es hier.

15. September 2012, 19 Uhr, Revolutionäre Frauen, Diskussion/Vortrag, Café Karoshi, Kassel. Mehr

19. September 2012, 19 Uhr, "Was heißt eigentlich Sexismus?", Workshop, Art Canrobert, Rastatt. Mehr

20. September 2012, "Erfolg und/oder Leben?", Veranstaltung Frauenwerk der Nordkirche, Hamburg. Infos und Anmeldung hier.

22. September 2012, W3 Hamburg: Tagesseminar für junge Menschen zum Thema Antisexismus "Eine weibliche Bundeskanzlerin - und jetzt?" Mehr

25. September 2012, 18.30 Uhr, Rosa-Luxemburg-Salon: "Die Vier in Einem-Perspektive", RLS Hamburg, Vor-Ort-Büro-Hansaplatz, Hamburg. Mehr

27. September 2012, 18.30 Uhr, Homophobie in Deutschland, Vortrag, Jugendhaus Shalom, Gera. Mehr

28. bis 30. September 2012, Erziehung und Gesellschaft, Seminar, Ferienpark Plauer See, Alt Schwerin. Infos und Anmeldung hier.

28. bis 30. September 2012, "Wie bin ich 'Ich'?", Workshop für Mädchen und Frauen von 14 bis 24 Jahren, Jugendherberge Schönberg, Schönberg. Informationen und Anmeldung hier.

13./14. Oktober 2012, "Frauen-Macht-Politik!", Seminar der DGB Jugend NRW. Mehr

Bis 31. Okober 2012, Caricatura-Museum in Frankfurt (Main): Ausstellung mit den Werken von Marie Marcks. Mehr

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