Logo Frauen und Genderpolitik

6. November 2012

Liebe Frauen,

in dieser lichtarmen Zeit könnte frau schon manches Mal der Optimismus verlassen, dass Frauenrechte Wirklichkeit werden. Da werden Frauenquoten für Aufsichtsräte niedergekämpft, Herdprämien für Mütter eingeführt und Frauen weltweit immer noch physisch und psychisch mißhandelt. Aber selbstverständlich denken, kämpfen und lachen wir weiter - ermutigt von Frauen wie Frigga Haug, die in diesem Monat ihren 75. Geburtstag feiert und wie eh und je dem Patriarchat das Wasser abgräbt.

Herzlichen Glückwunsch, Frigga! Allen viel Spaß beim Lesen und wir freuen uns wie immer über Rückmeldungen!

Eure Redaktion

Annegret Gabelin, Claudia Gohde, Antje Kind, Antje Schiwatschev, Vera Vordenbäumen, Katrin Voß, Uta Wegner, Nadia Zitouni

Aktuelles

Während die schwarz-gelbe Koalition auf Druck der CSU die Einführung des anachronistischen Betreuungsgeldes beschlossen hat, hat das Statistische Bundesamt heute die neuesten Zahlen zum Ausbau der Kitaplätze in Deutschland bekannt gegeben. 220 000 Kitaplätze für Kinder unter drei Jahren fehlen noch. Für viele Frauen, vor allem in den ländlichen Regionen der westlichen Bundesländer, bedeutet dies oft eine mehrjährige Erwerbsunterbrechung. Die aktuellen Zahlen finden sich hier, Hintergrundmaterial kann hier gelesen werden.     

Eigentlich wollte Ende Oktober die EU Justiz-Kommissarin Viviane Reding die Vorschläge der Europäischen Kommission für eine verpflichtende Frauenquote der Wirtschaft präsentieren. Aber der erhebliche Widerstand in der Kommission zwang Reding, zumindest zeitweise, zum Rückzug. Die Kommission will nun am 14. November über ihren Vorschlag beraten. Der Bundesrat hat am 21. September einen von den Bundesländern Hamburg und Brandenburg eingebrachten Antrag zu einer Frauenquote für Aufsichtsräte beschlossen. Der Bundestag diskutierte den Antrag der Länderkammer am 26. Oktober. In der Plenardebatte stritten auch die Frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Yvonne Ploetz, und die Stellvertetende Fraktionsvorsitzende der LINKEN, Cornelia Möhring, für eine gesetzliche Quotenregelung. Wer sich umfassender zu Frauen in wirtschaftlichen Entscheidungspositionen in der EU informieren will, kann dies hier nachlesen.     

Der internationale Gedenktag "NEIN zu Gewalt an Frauen" am 25. November wird auch in diesem Jahr die Einhaltung der Menschrechte gegenüber Mädchen und Frauen thematisieren. TERRES DES FEMMES ruft erneut zur Fahnenaktion "Frei leben - ohne Gewalt" auf. Mit der diesjährigen Aktion soll gleichzeitig um Unterstützung und Aufmerksamkeit für die Kampagne "Aufenthaltsrecht für Opfer von Zwangsprostitution, jetzt!" geworben werden. Weitere Infos zum Gedenktag, Veranstaltungshinweise, Materialien und eine Online-Petition zur Unterstützung der diesjährigen Kampagne gibt es hier.

Aus der Partei

Die diesjährige Bundesfrauenkonferenz hat sich intensiv damit befasst, wie wir im Wahlkampf mehr Frauen gewinnen können. Die Quintessenz wurde in die Oktober-Beratung des Bundeswahlbüros mit dieser Zusammenfassung eingebracht.
In den Wahlkampfstab - die Wahlkampfleitung für den Bundestagswahlkampf 2013 - wurde Regina Stosch berufen. Sie wird im Wahlkampf darauf achten, dass dieser in allen Facetten und aus allen Bevölkerungsschichten Wählerinnen und Wähler anspricht. Regina ist mit dieser Emailadresse zu erreichen: regina.stosch@die-linke.de.

Der Erfurter Parteitag hatte im Oktober 2011 ein "Konzept zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit in der LINKEN" beschlossen. Demzufolge ist regelmäßig ein Gleichstellungsbericht zu erstellen. Der aktuelle Bericht lag jetzt dem "Ausschuss zur Umsetzung der Ziele und Maßnahmen des Konzeptes zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit in der LINKEN" vor, der eine kritische Bewertung vornahm und dem Parteivorstand einen Beschlussvorschlag vorlegte. Der Parteivorstand fasste auf dieser Grundlage am 14. Oktober einen Beschluss zur Gleichstellung. Weitere Informationen aus der Beratung des Ausschusses zum Mentoringprogramm, der Umsetzung des Konzeptes in den Landesverbänden und zur Planung für die weitere Arbeit sind im Protokoll nachzulesen.

Vierte Feministische Herbstakademie: Occupy feministisch!

Der Herbst zeigte sich von seiner sonnendurchfluteten, malerischen Seite, als mehr als 30 Frauen aus der LINKEN, aus Gewerkschaften und sozialen Bewegungen und Initiativen in der Bildungszentrale der ver.di-Jugend in Naumburg bei Kassel zur mittlerweile Vierten Feministischen Herbstakademie zusammenkamen. Das Wochenende stand ganz unter dem Thema "Occupy feministisch: Zur Wiederaneignung des Arbeitsbegriffs, des politischen Raums und der sozialen Beziehungen". Eine Zusammenfassung gibt es hier.

Am 18. November lädt DIE LINKE. Niedersachsen zur Tagung "Frauenarmut - nein danke! Arbeit, Zeit und Geld - fairteilen!" ein. Die Einladung gibt es hier, den geplanten Ablauf hier. Für den gleichen Tag haben die weiblichen Mitglieder die Gründung eines Landesfrauenrates geplant. Der Gründungsaufruf kann hier gelesen werden. 

Neue Strukturen, neue Sprecherinnen – alles neu bei der LISA NRW? Nein! Vieles bleibt, manches wird anders und einiges ist noch im Fluss. Mehr vom LISA-Treffen am 28. Oktober 2012 gibt es hier.

Internationales

Nach dem langwierigen und internationale Beachtung findenden Prozess gegen drei Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot wurden zwei der Aktivistinnen nun zu einer zweijährigen Haft in einem Arbeitslager verurteilt. Nadeschda Tolokonnikova wird in ein Lager in Mordovia, etwa 500 Kilometer von Moskau entfernt, gebracht, während Maria Aljonikina ihre Strafe in einem Lager in der Nähe der Uralstadt Perm absitzen wird.

Putin hat das harte Urteil wiederholt damit begründet, dass die Bandmitglieder "jetzt zu Hause sein und die Hausarbeit verrichten oder ihrer Arbeit nachgehen könnten, hätten sie nicht das Gesetz gebrochen." Laut Putin verdienen die Bandmitglieder die Strafe, da sie das moralische Fundament Russlands gefährdet hätten.

Aljonikina betonte in ihrer Rede vor Gericht: "Wir sind in die Kathedrale gegangen, um unseren Protest gegen die Verflechtungen zwischen religiösen und politischen Entscheidungsträgern auszudrücken. Vielleicht war das Format des Punkgebetes für unsere Gesellschaft nicht akzeptabel.“ Das dritte angeklagte Mitglied, Jekaterina Samutsevich, wurde aufgrund ihres vom Gericht als gering gewerteten Beitrags während des Vorfalls auf Bewährung freigelassen. Die Pussy Riot Aktivistin engagiert sich weiter für ihre Kolleginnen. Die beiden zu Straflager Verurteilten kündigten an, dass sie auch dort "nicht schweigen werden“.

Die Musikerinnen waren für ihre Aktion in der Christ-Erlöser-Kirche in Moskau wegen Rowdytums und religiösem Hass angeklagt worden. In dem nur Priester vorbehaltenen Bereich vor dem Altar hatten sie unter pantomimischem Gesang ein "Punkgebet" an die Jungfrau Maria gerichtet, mit der Bitte, Putin los zu werden. Später wurde das Video auf Youtube verbreitet.

Aktuelle Infos zu Pussy Riot finden sich auf dem Blog. Für den 12. Dezember ruft das Internationale Literaturfestival Berlin zu einer weltweiten Lesung für Pussy Riot auf! Mehr

Portrait

Unruhe im Denken stiften. Frigga Haug zum 75. Geburtstag

"Frigga Haug verbindet philosophische Sorgfalt und Klugheit mit unkompromittiertem Weitblick und leidenschaftlichen Zukunftsvisionen. In der Geschichte des deutschen Feminismus ist klar und offenkundig, wie Frigga Haug die radikalsten und engagiertesten Traditionen zum Leben erweckt hat. Wie keine andere hat sie eine Vielzahl von Wissenschaftlerinnen, Intellektuellen und Aktivistinnen weltweit zusammengebracht. Wir alle sind zutiefst dankbar für die Hartnäckigkeit, mit der sie darauf besteht, unser gesellschaftliches und politisches Leben weiterzudenken – in Richtung auf mehr Gerechtigkeit, Freiheit und Hoffnung.“ (Judith Butler) mehr

Tipps und Termine

Buchtipp: "Die Republik der Frauen" von Gioconda Belli

In einem fiktiven lateinamerikanischen Land namens Faguas gründen Frauen um die Journalistin Viviana Sansón, die sich mit Diskriminierung und Misshandlung von Frauen, mit Unterdrückung, Korruption, sozialer Ungerechtigkeit und Armut nicht mehr abfinden wollen, eine Frauenpartei. Sie erringen nach einem phantasievollen Wahlkampf voller unkonventioneller Ideen die Regierungsmacht und schicken sich an, das kleine Land komplett umzukrempeln.

Gioconda Belli schreibt anschaulich und witzig, voller Sympathie für ihre Protagonistinnen, überreicht einen ganzen Strauß konkreter feministischer Utopien und erweckt zugleich das Gefühl, dass diese Ideen auch umsetzbar sind.

Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und bin begeistert von diesen Frauen, ihrer lebendigen und phantasievollen Partei und ihren feministischen Projekten. Hier ein paar Beispiele, ohne zu viel verraten zu wollen.

(Annegret Gabelin)

9. bis 11. November 2012, Lesbischer Herbst 2012: "Unsichtbar: Fluch oder Segen?" Fachhochschule Frankfurt, Kleiststr. 7, 60318 Frankfurt/Main. Mehr

12. November 2012, 20 Uhr, "Dem Feminismus eine politische Heimat - der Linken die Hälfte der Welt", Buchvorstellung. Pumpe, Haßstr. 22, 24103 Kiel. Mehr

13. bis 15. November 2012, "SexarbeiterInnen willkommen in Europa?!", Jahresfachtagung bufaS - Forum Sexarbeit. Jahrhunderthaus, Alleestr. 80, 44793 Bochum. Mehr 

15./16. November 2012, "Steigende Erwerbsbeteiligung von Frauen = zunehmende Prekarisierung?", 10. Jahrestagung des Ökonominnen Netzwerk efas. Hochschule für Technik und Wirtschaft, Wilhelminenhofstr. 75A, 12459 Berlin. Mehr  

16. bis 18. November 2012,"1. Frankfurter ProstitutionsTage", Tagung. Frankfurt/Main. Mehr

23. bis 25. November 2012, "Voice & Style - wie bin 'ICH'?", Workshop. Jugendherberge Schönberg, Stakendorfer Weg 1, 24217 Schönberg. Mehr

28. November 2012, 18 Uhr, „Sei dennoch unverzagt“ – Soirée in Erinnerung an Christa Wolf, Berlin, Magnushaus. Mehr

30. November 2012, Kritische Tage zum herrschenden Geschlechterverhältnis, Tagung/ Konferenz. UJZ Korn, Kornstr. 28-30, 30167 Hannover. Mehr

10. bis 11. Dezember 2012, "Gender trifft Nachhaltigkeit - Nachhaltigkeit braucht Gender", Umweltforum Berlin, Pufendorfstr. 11, 10249 Berlin. Programm und Anmeldung 

12. Dezember 2012, Weltweite Lesung zu Pussy Riot. Mehr

Impressum / Hinweise

Diesen Newsletter erhalten Sie, weil Ihre eMail-Adresse in unsere Mailingliste eingetragen wurde. Um das Abonnement zu ändern oder zu löschen, klicken Sie bitte hier.

Das Newsletter-Archiv finden Sie ebenfalls an dieser Stelle.

Die Redaktion erreichen Sie unter frauennewsletter@die-linke.de.

V.i.S.d.P: Matthias Höhn, Kleine Alexanderstraße 28, 10178 Berlin, Telefon: (030) 24 009 447, Telefax: (030) 24 009 310, eMail: frauennewsletter@die-linke.de