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7. Juli 2015

endlich ist der Sommer da und für viele steht der Urlaub kurz bevor. Auch wir machen eine Sommerpause, der nächste Newsletter erscheint Anfang September. Aber bevor wir pausieren, wollen wir einen kurzen Blick in die Vergangenheit werfen - die Novellierung des §218 jährt sich zum 20. Mal. Außerdem informieren wir euch über den Weltflüchtlingstag und die Ergebnisse des Frauenplenums beim Bielefelder Parteitag. Und einen Lesetipp für die Urlaubszeit gibt es obendrein. 

Viel Spaß beim Lesen wünscht 

Eure Redaktion

Judith Benda, Janina Bloch, Nina Eumann, Annegret Gabelin, Claudia Gohde, Jana Hoffmann, Antje Kind, Caren Lay, Anja Mayer, Juliane Pfeiffer, Antje Schiwatschev, Vera Vordenbäumen, Katrin Voß, Uta Wegner, Nadia Zitouni

Aktuelles

Anlässlich des zwanzigsten Jahrestages der Novellierung des §218 hat Katja Kipping das Selbstbestimmungsrecht von Frauen bekräftigt. Mehr   

Gemeinsam mit Kolleginnen aus allen Fraktionen hat Katja Kipping eine Initiative für familienfreundlichere Arbeitsbedingungen im Politikbetrieb gestartet. Die Mütter kleiner Kinder fordern unter anderem einen politikfreien Sonntag und Sitzungszeiten, die die Vereinbarung von Familienleben und politischer Arbeit erleichtern. Mehr

Am Weltflüchtlingstag haben in Berlin Flüchtlingsfrauen ihre Forderung nach einem menschenwürdigen Leben in Europa bekräftigt. Die Frauen, die vor Gewalt und Krieg aus ihren Heimatländern fliehen mussten, haben sich selbst organisiert zusammengeschlossen und bieten Hilfesuchenden Beratung und Unterstützung. Mehr         

Aus der Partei

Zu Beginn des Bielefelder Parteitages fand am Samstag von 9 Uhr bis 11.30 Uhr mit ca. 100 Delegierten und Interessierten das Frauenplenum statt. Als Bestandteil des Parteitages dient es dazu, Schwerpunkte des Parteitages aus feministischer Sicht zu diskutieren und über Anträge und Resolutionen zu debattieren. Unter nderem gab es eine Debatte zum Bedingungslosen Grundeinkommen aus feministischer Sicht, eine Diskussion und einen Beschluss "Das ganze Leben - Das muss drin sein!" zur Kampagne der Partei und eine Resolution zur Unterstützung des Kitastreik. Die Beschlüsse und den Bericht findet ihr hier

… im Bernauer Seminar "Hexenwerk und Kinderkacke. Feministische Gesellschaftsanalyse" vom 10. bis 12. Juli 2015 in Bernau bei Berlin. Beginnend mit einem persönlichen Einstieg ("Ich schreibe meine Autobiografie…") und der interaktiven Erarbeitung von Grundlagenbegriffen für die Analyse wollen wir uns eine feministische Analyse der Verhältnisse, die wir umkrempeln wollen, erarbeiten. Es wird um den Abschied von Familienernährern und Hausfrauen gehen, um allzeit flexible Arbeitskraftmanagerinnen und -manager, um Familienpolitik als Wirtschaftspolitik, um familiäre Strategien der Reproduktion und um Erschöpfung als Dauerzustand im Krisenkapitalismus. Immer nur meckern? Keine Idee vom ganz anderen? Doch! – An einem gemütlichen Vorlese-Abend bei Wein, Saft oder Bier wollen wir reden über radikale Gesellschaftsutopien in Social Fiction Romanen, mit Auszügen aus "Frau am Abgrund der Zeit" (Marge Piercy), "Planet der Habenichtse" (Ursula LeGuin) und "Republik der Frauen" (Giaconda Belli). Den Abschluss des Seminars bildet die Diskussion zum Thema "Von den Bedürfnissen der Menschen ausgehen…" – Care-Revolution als Transformationsstrategie?!

Ganz Kurzentschlossene melden sich bitte per Mail, Lesetipps für alle gibt es hierhier und hier.

Internationales

Überall in Europa wird das Recht von Frauen auf selbstbestimmte Schwangerschaft angegriffen. Dort, wo Frauen eigenständig über eine Abtreibung bestimmen konnten, ist ihre Entscheidungsfreiheit gefährdet. Wo sie diese Freiheit ohnehin nicht haben, wie in Andorra, Malta, San Marino, Irland, Monaco, Liechtenstein und Polen, sind kaum Fortschritte in Sicht. Eine Aktivistengruppe hat kürzlich eine Aufsehen erregende Aktion durchgeführt: Frauen in Polen von Deutschland aus mit der Abtreibungspille versorgen - und zwar per Drohne. Mehr zu dieser Aktion gibt es hier und hier.

Corinna Eleonore Trogisch analysiert in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift LuXemburg das Wahlergebnis zum türkischen Parlament aus einer feministischen Perspektive. Mehr   

Porträt

Feleknas Uca

Die Türkei hat am 7. Juni 2015 ein neues Parlament gewählt. Die linke HDP (türkische Abkürzung für Demokratie-Partei der Völker) ist mit einem großartigen Ergebnis von über 13 Prozent mit insgesamt 80 Abgeordneten ins Parlament eingezogen. 40 Prozent der HDP-Abgeordneten sind Frauen und eine von ihnen ist Feleknas Uca. Manch einem in der LINKEN ist sie sicher noch bekannt. Denn von 1999 bis 2009 saß sie für die PDS, bzw. DIE LINKE im Europaparlament. 1976 in Celle geboren, begann sie relativ früh ihre politische Karriere. Sie war für die GUE/NGL-Faktion unter anderem als Mitglied im Entwicklungsausschuss und Stellvertreterin im Ausschuss für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter. Sie hat sich in ihrer Arbeit unter anderem für mehr Gleichberechtigung in Europa stark gemacht und gegen Mädchenbeschneidung engagiert. Nun kann sie ihre Erfahrungen im türkischen Parlament einbringen, in das sie zusammen mit Ali Atalan als die beiden einzigen Vertreter*innen der Jesidinnen und Jesiden (eine Religionsgemeinschaft) gewählt wurde. Damit erfüllt die HDP auch ihren Anspruch an sich selbst: Vertreterin der verschiedenen in der Türkei beheimateten ethnischen und religiösen Gruppen zu sein. Jahrzehntelang wurde die Einheit der Türkei wahlweise unter dem Vorzeichen des türkischen Nationalismus oder dem Vorzeichen des sunnitischen Islam von den Machthabern heraufbeschworen, dabei wurden Minderheiten ignoriert oder sogar massiv unterdrückt. Die HDP steht für die Anerkennung der Vielfalt in der Gesellschaft der Türkei und den Ausbau der Minderheitenrechte. Feleknas Uca wird nicht nur die Jesidinnen und Jesiden vertreten, sondern sich auch für den Friedensprozess mit den Kurdinnen und Kurden stark machen. Noch ist offen, wie es in der Türkei nach den Wahlen weiter gehen wird. Doch auch bei einer möglichen Neuwahl hätte Feleknas gute Chancen, hat sie doch 77,8 Prozent in ihrem Wahlkreis in Diyarbakir geholt. Ein Interview der Deutschen Welle mit Feleknas Uca ist hier nachzulesen.

Tipps und Termine

Verunsicherung und soziale Entsicherung sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen: durch umfassende Prekarisierungstendenzen in der Arbeitswelt, von denen auch Hochqualifizierte und "Stammbelegschaften" nicht gefeit sind, aber auch dadurch, dass das Leben in vielerlei Hinsicht immer teurer wird; siehe steigende Kosten für Miete, Energie- und Gesundheitsversorgung, den öffentlichen Nahverkehr und so weiter. Zugleich findet in immer mehr Bereichen ein Abbau von öffentlichen Sozial- und Dienstleistungen statt. Die Kosten hierfür werden zunehmend auf diejenigen abgewälzt, die dieser Angebote am meisten bedürfen. Die Broschüre "Jenseits der Prekarität" thematisiert die Prekarisierung immer größer werdender Teile der Bevölkerung in Deutschland sowie deren Ursachen und Auswirkungen, um am Ende Vorschläge für Strategien und Forderungen zu unterbreiten, wie diesen Entwicklungen entgegengewirkt werden kann. Aufgrund des Umfangs und der Verbreitung von prekarisierten Verhältnissen sowie der Komplexität des Themas ist es nicht möglich, im Detail auf die jeweiligen Hintergründe und Entwicklungen in allen Lebensbereichen einzugehen. Dargestellt werden vor allem die Tendenzen und Auswirkungen, die besonders augenfällig sind und die besonders viele Menschen betreffen. Mehr

Die nächste Ausgabe der Lotta mit dem Titel "Zukunft nur mit Frauen" beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem guten Leben: Wie lässt sich für Frauen eine Zukunft gestalten, in der Platz für das ganze Leben ist? Es geht um das Zusammengehen von Privatleben und Arbeit und wie es gelingen kann, über seine Zeit souverän zu entscheiden. Im Portrait werden junge Landwirtinnen vorgestellt und ihre Perspektiven auf ein existenzsicherndes Einkommen durch die Produktion von regionalen, fairen und guten Lebensmitteln. Außerdem wird die steuerliche und finanzielle Situation von Alleinerziehenden näher beleuchtet und als musikalisches Highlight das queere "Homophilharmonische Orchester" präsentiert. Mehr

9. Juli 2015, 16 Uhr, "Geschlecht in Szene: Wissenschaft ist doch neutral...", Diskussion/Vortrag, Universität Wuppertal, Gebäude S, Ebene 13, Raum 26, Wuppertal. Mehr

10. bis 12. Juli 2015, Bernauer Seminar "Hexenwerk und Kinderkacke" in Bernau bei Berlin, Anmeldeschluss: 22. Juni 2015. Mehr

16. bis 25. Juli 2015, "Die Widerspenstige Internationale – Leben, arbeiten, bleiben. Willkommen in Berlin!", eine Veranstaltungsreihe zum Thema Migration. Straße der Pariser Kommune 8, Berlin. Mehr

18. Juli 2015, 14 Uhr, "Frauen in der ArbeiterInnen- und Widerstandsbewegung im Wedding", Exkursion, Treffpunkt: U-Bahnhof Seestraße (vor dem Alhambra), Berlin. Mehr  

22. Juli 2015, 19.30 Uhr, "Friede, dauernder Friede! Die proletarische Frauenbewegung im Ersten Weltkrieg", Diskussion/Vortrag, Clara-Zetkin-Haus, Stuttgart. Mehr

24. Juli 2015, 19 Uhr, "Antifeminismus und «Antigenderismus» als Mobilisierungsthemen von Rechts", Diskussion/Vortrag, Karlsruhe (Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben). Mehr

31. Juli 2015, "Antisemitismus - Fremdenhass ohne Fremde", Diskussion/Vortrag, Die ganze Bäckerei, Augsburg. Mehr

8. August 2015, 14 Uhr, "Das muss drin sein" Die Kampagne aus feministischer Sicht, Vortrag/Diskussion, eine Veranstaltung BAG Lisa NRW, A&O Hotel am Hauptbahnhof, Berlin. Anmeldefrist für die Übernachtung im Hotel ist bis 9. Juli 2015. Wegen der besseren Planung wird um rechtzeitige, verbindliche Anmeldung gebeten.

9. August 2015, 9 Uhr, Treffen der BAG LISA, A&O Hotel am Hauptbahnhof, Berlin. Anmeldefrist für die Übernachtung im Hotel ist bis 9. Juli 2015. Wegen der besseren Planung wird um rechtzeitige, verbindliche Anmeldung gebeten.   

14. bis 16. August 2015, "Links, leer und ausgebrannt?!", Seminar, Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e. V., Kasbach-Ohlenberg. Aufgrund der begrenzten TeilnehmerInnenzahl ist die Anmeldung unbedingt erforderlich – momentan sind noch freie Plätze verfügbar! Mehr 

11./12. September 2015, Fest der Linken, Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin. Mehr