Aktiv werden - Parteiorganisation - Parteileben

3.7.1. Workshop für Neumitglieder - ein Modell mit Variationsmöglichkeiten

Ein Angebot für Länder und Kreise

Liebe Genossinnen und Genossen, liebe Freundinnen und Freunde, mit einem Stamm von Teamerinnen und Teamern haben wir für euch ein Angebot zusammengestellt, das ihr nutzen könnt, wenn ihr Treffen mit neuen Mitgliedern durchführt, um sie mit uns und der Partei näher vertraut zu machen. Je nach den Wünschen der Teilnehmenden und wie viel Zeit euch zur Verfügung steht, könnt ihr eine Auswahl treffen. Das Gesamtangebot umfasst den Zeitraum von 1 ½ Tagen.

Der Projektteil bietet eine Möglichkeit, den Neuen einen Vorschlag zu unterbreiten, wie sie sich konkret in die Arbeit vor Ort einbringen können. Hinzu kommt, dass sie ihre Interessen verwirklichen können, da sie die Projektideen selbst entwickeln.

Denkt bitte daran, die Neuen frühzeitig und freundlich einzuladen und daran, dass die Zusammenkunft in einem ansprechenden Raum stattfindet. Für Essen und Trinken sollte gesorgt sein.

Wir wünschen euch und uns viel Spaß und Erfolg.

Kleine Grundregeln für die gemeinsame Arbeit:

  • Jede/r kann mitmachen, muss aber nicht.
  • Jede/r spricht für sich selbst. (Ich-Botschaften)
  • Störungen haben Vorrang! (Wer an einer Stelle ein Problem hat, meldet sich einfach.)
  • Handys aus!
  • Bei Diskussionen sollte die Redezeit vereinbart werden.
  • Wir machen Angebote zum Ablauf, die wir aus den Erwartungen der Teilnehmenden zusammenstellen. 
  • Nach der Beschreibung eines geplanten Ablaufes immer die Bestätigung einholen, ob das so okay ist.
  • Wir sitzen auf Stühlen, die im Kreis aufgestellt sind. (ohne Tische)
  • Wir brauchen möglichst Flipchart und Pinwand.

Jede/r trägt sein Vornamen-Schild an der Oberbekleidung oder ein gefalteter Zettel wird am Boden, vor dem jeweiligen Stuhl, aufgestellt, auf dem der Vorname der Person steht.

1. Begrüßung, eigene Vorstellung zur Person und Tätigkeit, knappe Erläuterung zum Anliegen der Veranstaltung.

2. Die Teilnehmenden stellen sich vor:

Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten.

  • Jede/r stellt sich reihum vor.
  • Wir stehen auf. Ich werfe einen Ball zu einem/r Teilnehmer/in, die/der sich dann   vorstellt.   Nach der Vorstellung wird der Ball zum/r Nächsten weiter geworfen.
  • Ein "Glücksrad" mit Themenfeldern wird gebastelt. Nacheinander dreht jede/r, stellt sich vor und spricht zu dem Themenfeld, bezogen auf seine Person. (Themenfelder können sein: Sport, Beruf, Politik, Freizeit, Beweggrund – Warum ich   heute hier bin? Vorhaben in der Partei? Interessengebiete? usw.)
  • Es werden Paare gebildet, die 15 Minuten Zeit erhalten, um sich gegenseitig zur Person zu  befragen. Dann kommen alle wieder zusammen. Jede/r stellt den/die Partner/in vor den er/sie interviewt hat.
  • Es werden Dreiergruppen gebildet, die 15 Minuten Zeit erhalten. Jede Gruppe malt ein Dreieck auf einen Flipchartbogen. An die Dreieckspitzen werden die jeweiligen Vornamen geschrieben. Dazu die Merkmale, die nur ihn/ nur sie auszeichnen. Auf die jeweilige Dreieckseite zwischen zwei Namen die Dinge, die die beiden als Gemeinsamkeit herausfinden. In die Mitte des Dreiecks wird das geschrieben, was alle drei Personen miteinander verbindet. Je eine/r aus der jeweiligen Gruppe stellt  das Ergebnis vor. Dabei stehen alle drei Beteiligten vorn. Natürlich kann auch jede/r der Drei für sich und zu den anderen sprechen.
  • Sicherlich sind euch auch noch andere Vorstellungsformen bekannt.

3. Erwartungshaltung der Teilnehmenden erfragen und auf Flipchart anschreiben oder auf Zettel notieren lassen und anpinnen. (Pinwand)

Danach sortieren und einen Programmvorschlag unterbreiten.

4. Inhalte könnten sein:

  • Was hat euch zur Partei geführt? (A)
  • Struktur / Aufbau der Partei (B)
  • Das Projekte (C)
  • Info-Stand – Was gehört dazu? Welche Möglichkeiten gibt es? Training – Frage/Antwort/Spiel (D)
  • Das Parteiprogramm (zur Zeit die programmatischen Eckpunkte) (E)
  • Feedback (F)

5. Nun zu den einzelnen möglichen Inhalten des Workshops:

A) Was hat euch zur Partei geführt?

Es werden Gruppen gebildet. Jede Gruppe erhält einen Fragezettel, zu dem Antworten notiert werden – Gruppenarbeit 30 Minuten.

Anschließende Präsentation der Ergebnisse jeweils durch ein Mitglied der Gruppe vor allen Teilnehmenden.

(So erfahren wir viel über Beweggründe der neuen Mitglieder.)

Auf den jeweiligen Blättern könnte stehen:

  • Wie bist du auf uns aufmerksam geworden?
  • Was möchtest du in der Partei bewegen?
  • Was findest du gut in der Partei, was verbesserungswürdig?
  • Wie stellst du dir deine Mitarbeit vor?
  • Wo oder wie hast du dich bisher engagiert?
  • Welche Informationsquellen nutzt du?
  • Welche Projekte oder Kampagnen der Partei sind dir bekannt?

B) Struktur / Aufbau der Partei.

In diesem Punkt ist das zu behandeln, was die Teilnehmenden gern wissen möchten.

(z.B. Gliederungen der Partei, Arbeitsgemeinschaften, Interessengruppen, Plattformen, Ansprechpartner/innen, Jugendverband, Bildungsmöglichkeiten, parlamentarische Ebenen, Bundesgeschäftsstelle, Landesgeschäftsstelle, Kreisgeschäftsstelle, Wahlkreisbüros, u.a.m.)

Jede/r schreibt eine sie/ihn interessierende Frage auf einen Zettel, der angepinnt wird. Die Zettel werden nach Themenkomplexen sortiert und anschließend gemeinsam behandelt. Bei zu großer Anzahl der Komplexe muss eine Einigung herbeigeführt werden, was davon heute bearbeitet wird.

Zu jedem Themenkomplex kann auch Gruppenarbeit (30 Minuten) angeboten werden. Dabei hat jede Gruppe zu notieren / skizzieren, was sie bereits zur Frage sagen kann. Anschließend werden die Ergebnisse präsentiert und gemeinsam vervollständigt.

C) Das Projekt.

Gemeinsam wird erarbeitet, was ein Projekt ist, was dazu gehört und was es auszeichnet? (Checkliste)

  • Ein Projekt läuft über einen bestimmten Zeitraum, hat Beginn und Ende, Start und Ziel.
  • Es hat ein Thema und eine Zielstellung.
  • Wer sind die beteiligten Personen, welche Bündnispartner/innen könnten gewonnen werden? Wer übernimmt die Leitung des Projektes?
  • Welche Schritte sind im Vorfeld notwendig?
  • Wie wird die Öffentlichkeitsarbeit organisiert?
  • Wie sieht der Zeitplan aus, welche Zwischenetappen gibt es?
  • Mit welchen Kosten muss gerechnet werden?

Nun benötigen wir Projektideen. Dabei geht es möglichst um konkrete Vorhaben, die wir jetzt planen, die die Bürgerinnen und Bürger bewegen, die in Kürze auch realisiert werden sollen, mit denen wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Es werden Gruppen gebildet, die sich auf je eine Projektidee verständigen.
(20 – 30 Minuten Zeit) Danach wird das mögliche Projekt vorgestellt. Die Themen erscheinen an der Pinwand.

Beispiele:

  • Rekommunalisierung der Energieversorgung
  • Mitgliedertreff für Neue
  • Sommerfest
  • Schaffung einer verkehrsberuhigten Zone
  • Rekonstruktion eines Spielplatzes
  • Unterschriftensammlung gegen Bundeswehr-Auslandseinsätze
  • Erhalt eines Schwimmbades
  • Hartz IV – Frühstück

Es wird gemeinsam festgelegt, an wie vielen Projekten gearbeitet werden soll. (z. B. an 3)

Jede/r Teilnehmende vergibt Referenzpunkte / oder Kreuze oder Striche.

Die mögliche Anzahl wird festgelegt. Jede/r kann seine Punkte für ein Thema oder auf verschiedene Themen vergeben.

Die Gesamtpunktzahl für das jeweilige Projekt wird ausgezählt.

Die 3 Projekte mit der meisten Punktzahl werden noch einmal dem Inhalt oder Anliegen nach beschrieben.

Jede/r Teilnehmende schreibt nun seinen Namen unter das Projekt, an dem er/sie mitarbeiten möchte.

(Wir nehmen an, Sommerfest, Schwimmbaderhalt und Hartz IV-Frühstück bekamen die meisten Punkte.)

Sommerfest: Anja, Kathrin, Georg usw.
Erhalt des Schwimmbades: Carsten, Tina, Evelin
Hartz IV-Frühstück: Sylvia, Max, Siegfried

Die drei Gruppen füllen an Hand unserer Checkliste das jeweilige Projekt mit Leben. (Gruppenarbeit – 30-45 Minuten)

Je ein/e Gruppenvertreter/in stellt anschließend das Projekt vor, die Gruppenmitglieder ergänzen, Fragen können gestellt werden.

Es wird festgelegt, wann, wo und wie das Projekt realisiert wird und wer, wann über das Ergebnis informiert. (verbindliche Vereinbarungen werden getroffen)

D) Der Info-Stand
Der traditionelle Info-Stand
  • Thema
  • Vorbereitung (Anmeldung, Ort, Zeit, Dauer)
  • Material
  • beteiligte Personen
  • Verhalten
  • Umgang mit Störungen
  • Ideen zur Erhöhung der Attraktivität des Standes
Der Info-Stand anderer Art
  • Bodenzeitung - lange Papierrolle mit Thesen, wo die Passanten/innen ankreuzen können (ja/nein)
  • "Info-Weg" – ebenfalls eine ausgerollte Papierrolle, auf der Positionen der Partei dargestellt sind (dazu wird auch Material in gedruckter Form verteilt)
  • Straßenmalaktion mit Preisen
  • Karneval der Kulturen – (Musik, Speisen, Infos)
  • Theater (Personen oder Puppen unterhalten sich zu politischen Themen)
  • Spontanaktionen (Straßenblockade, Anketten, u.ä.)
  • Segelflugzeug mit Spruchband
  • Waage am Info-Stand - (links mit Büchern gefüllt, rechts mit Nahrungsmitteln) Diskussion: Beides braucht der Mensch!

Die praktische Übung – das Interview – Rollenspiel

(Es werden Karten verteilt, auf denen Fragen formuliert sind. Eine/r stellt "seine" Frage und bestimmt eine/n Andere/n, der/die die Frage zu beantworten hat.
Anschließend wird immer gefragt: War das so okay, was fällt euch zur Ergänzung noch ein?
mögliche Fragen auf den Kärtchen:

  • Erst SED, dann Linkspartei.PDS, nun Die Linke, wie nennen Sie sich denn demnächst?
  • Ich kenne nur Gysi, Bisky und Lafontaine. Gibt es eigentlich auch andere fähige Köpfe?
  • An Frauen mangelt es wohl in Ihrer Partei auch? Oder?
  • Was wollen sie besser machen als andere Parteien?
  • Ist die Linkspartei eigentlich ökologisch?
  • Sozialismus erscheint nicht mehr im Namen. Werden Sie ihm abschwören?
  • Ich spiele mit dem Gedanken, Mitglied zu werden. Überzeugen sie mich.
  • Hat die Linke im Westen überhaupt eine Chance?
  • Ist die Partei eigentlich nicht nur eine Ostpartei?
  • Wann entschuldigen Sie sich für den Mauerbau?
  • Sozialismus und Menschenrechte, geht das zusammen?
  • Haben Junge in der Partei überhaupt eine Chance?
  • Wie stehen sie zum Grundgesetz?
  • Was verstehen Sie unter Sozialismus?
  • Alle Politiker/innen sind korrupt. Warum soll ich dann noch wählen gehen?
  • Sie wollen die Geheimdienste abschaffen. Früher haben Sie doch mit der Stasi die Leute bespitzeln lassen.
  • Sie sind die Nachfolgepartei der SED. Dann nannten Sie sich Linkspartei.PDS, jetzt Die Linke. Gibt es da überhaupt Unterschiede?
  • Sozialismus ist ja eine gute Idee – geklappt hat das aber doch noch nie.
  • Was macht die Linke für die kleinen Leute?
  • Wir haben schon so viele Ausländer/innen. Sie wollen aber noch mehr rein lassen?
  • Wie weit sind Sie den mit Ihrer Vereinigung nun wirklich?
  • Regierungsbeteiligung – schön und gut, aber Sie ändern doch auch nichts, oder?

E) Das Programm

(Die programmatischen Eckpunkte)

In jedem Workshop wird deutlich, dass es vielfältigste Fragen und Auffassungen zum Programm gibt und die Palette der Interessen groß ist.

Wir werden uns also immer darauf einigen müssen, nur einzelne Fragen diskutieren zu können.

Varianten:

  • Wir schlagen Themen vor, die Teilnehmenden treffen eine Auswahl.
  • Wir fragen nach Themenwünschen und einigen uns.
  • Eine Synopse zu Inhalten der Parteiprogramme wird vorgelegt und zur Diskussion gestellt. Wo liegen deutliche Unterschiede?

Am Ende der programmatischen Eckpunkte sind Fragen zur weiteren Diskussion gestellt. An welchen wollen wir arbeiten?

Immer werden – je nach den Interessen der Teilnehmenden – Gruppen gebildet, die sich mit Antworten auf die Fragen befassen. (45 Minuten Zeit)

Danach präsentieren die Gruppen ihre Ergebnisse. Eine/r spricht, die anderen ergänzen. Welche Zusätze gibt es noch zum Thema?

Eine weitere Variante, die sehr gut ankommt, ist die Podiumsdiskussion. Es werden ein/e Moderator/in und 5 Diskutanten/innen festgelegt. Sie erhalten einen Text, den sie vertreten müssen (Auszüge aus Veröffentlichungen verschiedener Gruppierungen der Partei) Die restlichen Teilnehmer/innen bilden das Publikum. (Textpassagen im Anhang)

F) Feedback

(auch "Blitzlicht" oder "Rückmelderunde" genannt)

Die Teilnehmenden widerspiegeln kurz, wie sie den Workshop empfunden haben.

Kleine Grundregeln, zu denen wir uns vorher verständigen:

  • Jede/r sagt seine Meinung.
  • Keine/r kommentiert oder bewertet die/den Anderen.
  • Jede/r hat 1 Minute (oder 2 oder 3 oder 5 Minuten) Zeit.

Es gilt, zwei Fragen zu beantworten:

  • Was hat dir gefallen? (Was war positiv?)
  • Was hat dir nicht gefallen? (Was war negativ?)

 

Darüber hinaus können die Teilnehmenden auch Hinweise geben oder Erwartungen an künftige Zusammentreffen formulieren.